Pöbelvorteil

Es gibt eine strukturellen Vorteil, der sich niemals ins Gegenteil verkehren kann: Du kannst rumpöbeln, Dein Gegner nicht. Und zwar folgendermaßen: Dein Gegner will in aller Regel eine wissenschaftliche Position propagieren – er ist also auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, sachlich und neutral zu bleiben, den jeder noch so kleine ausfallende Tonfall oder ironische Spitze wird ihm sofort dahingehend ausgelegt werden, daß seine Sachinformationen zu schwach sind, um für sich selbst zu sprechen. Das heißt, man würde seine äußere Form als unangemessen betrachten und damit ist sofort auch sein Inhalt beschädigt.

Du hingegen hast gar keine zu transportierenden Inhalte, die beschädigt werden könnten und bist daher in der ewigen Vorteilsposition, jede beliebige Sau rauslassen zu können, sei sie noch so unsachlich und pöbelhaft und damit zu provozieren, daß sich das Streitgespräch von der inhaltlichen Diskussion auf einen Streit über die Umgangsformen verlagert — Ziel erreicht!

(Hier muß man nur vorsichtig genug vorgehen, um nicht wegen zu offensiven Verhaltens aus dem Thread oder dem Forum rauszufliegen, mit etwas Fingerspitzengefühl kein Problem.)

Wenn doch zu viel Kritik laut wird, verkauf die Pöbeleien einfach als sogenannte „Polemik“, denn das ist ein eigentlich anspruchsvolles sprachliches, sogar literarisches, Stilmittel, dessen gekonnter Gebrauch gehobenes Niveau dokumentiert. Der Gebrauch echter Polemik soll hier allerdings nicht behandelt werden, dies würde viel zu weit führen und den Inhalt dieser Zusammenstellung verfehlen.

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